Investieren nach den eigenen Wertvorstellungen

Finanzen Geldanlagen auf grund von persönlichen Vorlieben können äusserst befriedigend sein. Rendite- und Diversifikations überlegungen sollten jedoch nicht vergessen werden.

Investieren nach den eigenen Wertvorstellungen

Bei Anlageentscheiden die sogenannten ESG-Kriterien–Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zu berücksichtigen, ist heute fast schon Standard. Auch das Impact Investing, also Investitionen in Unternehmen, Organisationen und Fonds, die neben einer finanziellen Rendite eine messbare, positive soziale oder ökologische Wirkung erzielen wollen, ist hoch im Kurs. Viele der entsprechenden Anlageprodukte erfüllen, was sie versprechen. Die ESG - Ratings sind aber noch uneinheitlich, die Datengrundlage für eine konsistente Vergleichbarkeit ist oft unvollständig, und es wird auch immer wieder Greenwashing betrieben. Wer eine Alternative oder Ergänzung zu ESG-Anlagen sucht, kann sich überlegen, nach ganz eigenen Werten zu investieren. Doch wie soll das funktionieren, und worauf ist zu achten?

Der erste Schritt besteht darin, die eigenen Werte zu ermitteln. Das können beispielsweise das Engagement für Umwelt und Biodiversität, ethische und soziale Geschäftspraktiken oder lokale Gemeinschaften sein aber auch Vorlieben, wie Videospiele, andere spezielle Produkte oder vielversprechende Zukunftstrends und technologien. So bald diese Werte und Vorlieben bekannt sind, können die Investierenden potenzielle Anlagemöglichkeiten recherchieren und Unternehmen evaluieren, die mit diesen Werten übereinstimmen oder diese Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Es fühlt sich gut an, in ein Unternehmen zu investieren, das die persönlichen Werte lebt. Die Investition muss aber auch langnfristig finanziell tragfähig sein. Dies kann erreicht werden, indem man sich über die Finanzlage des Unternehmens, das Managementteam und die Branchentrends informiert. Sollte eine Investition dennoch temporär an Wert verlieren, können die Gründe dafür besser verstanden werden, als dies bei einer empfohlenen Investition, die man nicht kennt, der Fall wäre.

Mangelnde Objektivität

Das Investieren nach den eige- nen Wertvorstellungen birgt aber auch gewisse Gefahren. Zu den Risiken gehört in erster Linie emotionale Voreingenommenheit. Investitionen auf der Grundlage persönlicher Werte können zu mangelnder Objektivität führen, die das Urteilsvermögen beeinträchtigt. So können Anlegerinnen und Anleger beispielsweise emotional in ein Unternehmen investiert sein, weil es ihren persönlichen Werten entspricht, obwohl das Unternehmen möglicherweise finanziell nicht solide ist.

Ein weiteres Problem ist das potenziell begrenzte Anlageuni- versum. Die Anzahl der verfügbaren Anlageoptionen kann eingeschränkt sein, was die Portfolio-Diversifikation beeinträchtigt und das Risiko erhöht. Zudem sollten beim Verfolgen individueller Werte auch Renditeüberlegungen, die finanzielle Leistung und die langfristigen Wachstumsaussichten eines Unternehmens eine Rolle spielen. Wenn die gewählten Unternehmen nicht die erwarteten Geschäftsergebnisse erzielen oder negative Schlagzeilen liefern, kann dies zu einem Zielkonflikt führen.

Aber mit einem guten Verständnis der finanziellen Zukunftsaussichten eines Unternehmens und der Branchentrends können Anlegerinnen und Anleger fundierte Entscheidungen treffen, die mit ihren Werten und Zielen übereinstimmen. Neben einer ansprechenden Rendite gewinnen sie somit auch die Befriedigung, die Welt mitzugestalten.


Luba Schönig

Tonia Zimmermann

sonntagszeitung.ch | 23. April 2023

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